FBA#098 – Wie startet man mit Amazon FBA USA?

Hallo Miteinander, dies ist eines meiner Lieblingsbilder, welches auch meinen Umgang mit Projekten beschreibt. Eine meiner Schwächen, aber vielleicht auch nicht? Wenn man es von einem anderen Blickwinkel betrachtet könnte man sagen, ich wende das Pareto Prinzip in Extremform an. Darum GFDI Amazon FBA USA here I come.

starting another side-project, are we?
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USA here I come?

Vor Kurzem bin ich auf die Anforderungen, die zum Verkauf auf amazon.com erforderlich sind, gestoßen. So wie man sich bei Youtube von einem Video zum nächsten durchklickt, habe ich nun dieses Geschäftsmodel beleuchtet.

Fazit: Was gut zu mir passt ist die amerikanische Mentalität. Probieren wir es mal aus und wenn es läuft schauen wir weiter.

Dies beschreibt z.B. den Einstieg in die Steuerthematik in der USA. Im Endeffekt ist die USA im Steuerthema noch kranker als die EU. Jeder Bundesstaat hat eigene sales tax und dann kommt die lustige Richtlinie, ab wann man einen sales tax nexus erreicht hat. Zusätzlich dazu gibt es noch den economic nexus. Ist ein bisschen ähnlich wie die Versandregelung und Lieferschwellenregelung in Europa. Ein großer Unterschied ist, dass es nicht einheitlich ist. Es macht einen Unterschied wo der Käufer wohnt, wo er sich befindet wenn er einkauft, von wo ich versende, wie viel ich schon in den bestimmten Bundesstaat verkauft habe, usw. Das gilt dazu natürlich unterschiedlich welchen Bundesstaat man betrachtet. Außerdem beginnen einige Staaten damit, Amazon in die Pflicht zu nehmen. d.h. Amazon sammelt und führt die sales tax ab.

Das lustige am Steuerthema ist, dass nicht nur ich verwirrt bin, sondern die Amis selber auch nicht ganz wissen wie sie mit all dem umgehen sollen. (Amazon führt ab, muss ich mich trotzdem dort als Nexus registrieren, etc.)

Parallel dazu glüht mein Excel sheet und wird mit den Infos für die Margenkalkulation, uvm. gefüttert.

Start mit Amazon FBA USA in Kurzform

Amazon hat aktuell eine Änderung der monatlichen Gebühren gemacht, man muss weltweit nur noch einmal die professionelle Sellergebühr bezahlen. Für den Start in der USA reichen kurz gesagt folgende Schritte als Basis aus:

Für einen proof-of-concept reicht es aus die Ware von zu Hause aus, in die USA zu versenden. Derzeit sieht es nach 75-100€ für ein 10-15 kg Paket aus. Je nachdem wenn man paar mehr Pakete versendet, geht der Preis nach unten. (Bsp. einer Lieferung 10kg ca. 90€ und 50 kg ca. 225€) Hier kann man sich Anbieter wie parcel.one ansehen.

Zusammengefasst sind die Kosten sehr überschaubar. Für relativ wenig €€€ habe ich einen Karton Produkte bereit zum Verkaufen in der USA. Bei kleinen Sendungen bzw. Warenwert brauche ich mir auch keine Sorgen um Einfuhr in die USA machen bzw. die Grenze für Ausfuhrlieferungen ist noch höher. Wenn es läuft kann ich nachlegen bzw. an den direkten Versand von China in die USA denken. Andererseits bei Nichterfolg ist das eingesetzte Risikokapital ebenso gering.

Was ist die EIN und wie erhält man sie?

Man braucht kein eigenes Unternehmen in der USA zu gründen, wenn man den Markt bzw. die eigenen Produkte austesten will. Langfristig macht es Sinn in Bezug auf getrennte entities, Haftung usw.

Für den Start brauchen wir als nicht-US Bürger eine EIN Nummer. Da wir keine Sozialversicherungsnummer bzw. Firma in der USA besitzen beantragen wir die Employer Identification Number.

Um die EIN Number zu bekommen reicht ein kurzes Telefonat mit dem IRS aus. Vorher füllst du das SS4 form aus. Am Telefon geht der US Kollege das Formular nochmal Punkt für Punkt mit dir durch und am Ende des Telefonates erhältst du sofort deine EIN Nummer. Für kostenloses telefonieren habe ich Google Hangouts verwendet. War positiv überrascht über die freundliche und hilfreiche Dame am anderen Ende der Leitung.

Die sales tax im Griff!

Wenn du im Internet nach sales tax Informationen suchst wirst du über kurz oder lang bei taxjar landen. Eigentlich fast alle Informationen zum Verkauf auf Amazon USA findest man auf deren Hilfe und Blogseiten.

Das Service für die Datensammlung kostet 19$/month (bzw. 17 bei jährlicher Zahlung) Die taxjar Kosten beziehen sich nur auf die Datenaufbereitung. Wenn ich will, dass sie mir automatisiert die sales tax Erklärung abgeben bzw. für mich die Anmeldung in den Bundesstatten erledigen kostet dies extra. Man hat aber auch die Möglichkeit die sales tax Erklärung selber abzugeben bzw. die Anmeldung selber zu machen. Die Berichte sind so aufbereitet, dass ich diese nur noch in die Erklärung klopfen muss.

Einleitend muss man verstehen, dass in der USA die Produktpreise immer ohne Steuer angezeigt werden. Die Steuer kommt erst beim check-out dazu. Wenn ich nicht steuerlich angemeldet bin, wird die sales tax aber nicht verrechnet. In immer mehr Bundesstaaten ist Amazon verpflichtet die sales tax einzuheben und direkt abzuführen.

Schwierig ist es hier eine rechtlich korrekte Aussage zur Pflicht der Anmeldung zu geben. Die Amerikaner gehen hier einen eher laxen Weg. Wenn sich eine „relevante“ Steuerschuld angehäuft hat, melde ich mich in diesem Bundesland an. Da ich ja vorher keine sales tax im checkout erhalten habe, muss ich diese Steuerschuld aus der Marge zahlen. Für die Bundesstaaten in denen Amazon für dich die sales tax abführt, gibt es leider keine verlässlichen Informationen ob man sich trotzdem anmelden muss und eine Steuererklärung abzugeben hat.

Software für Amazon FBA USA: Launch und Email-Kampagnen, Profit und PPC

Im Gegensatz zu Deutschland machen sich die Amerikaner nicht soviel Kopfzerbrechen um Email und Datenschutz. Eine bekannte Größe am Markt ist Junglescout, welche viele von der Produktrecherche kennen werden. Mit Mitte 2019 hat sich der Funktionsumfang erweitert, da Jumpsend (Launch und Emailanbieter) integriert wurde.

Das heißt mit Junglescout hat man alles unter einem Dach:

  • Keywordresearch in der USA
  • Launchkampagne mit Gutscheincode
  • Emailkampagne für Bewertungen

Als zweites wichtiges Standbein verwende ich Sellics. Ich nutze es bereits für meine europäischen Marktplätze und man kann den US Marktplatz einfach integrieren. Somit läuft hier alles in gewohnten Bahnen. Mit Sellics verwalte und optimiere ich meine PPC Kampagnen und überwache die Bewertungen.

Außerdem hat Sellics gerade aufgerüstet mit der neuen Funktionalität Profitdashboard 2.0. Was mir z.B. gefällt, ist dass man nun Kostenperioden angeben kann. Somit werden bei einer Nachbestellung nicht die falschen alten Kosten oder umgekehrt rückwirkend mit den neuen Kosten gerechnet.

Außerdem kann man nun auch den Profit auf EU Ebene gesammelt anzeigen lassen, viel mehr Daten zu Retouren, usw.

Warum das Ganze?

Keine Ahnung… Vielleicht bin ich mehr motiviert wenn ich ein neues Projekt vor Augen habe? Möglicherweise bringt es mir für mein europäisches Business einen kleinen Wissensvorsprung? Alles was zu uns kommt gab es bei den Amis immer bereits einige Zeit vorher. Außerdem ist amazon.com auch bei höherer Konkurrenz doch um ein vielfaches größer als amazon.de.

ACHTUNG #1: Was ich hier so Salopp formuliert habe, ist nicht die ganze Wahrheit. Ich habe einige Zertifikate erneuert. Dies passt gut zu meiner USA Idee. Denn ohne dass ich euch Schauergeschichten von amerikanischer Produkthaftpflicht, Gerichten, Anwälten, usw. nacherzählen will, würde ich jedem raten seine gesetzlichen Pflichten im Auge zu haben. Musst du für DE und die EU ebenso.

ACHTUNG #2: Das Thema Steuer sollte jeder genau prüfen. Auch wenn die Amis dieses Thema nicht so genau nehmen, heißt das nicht das alles legal und richtig abläuft.

Im Endeffekt geht es darum etwas Neues zu beginnen. Go fucking do it!

9 thoughts on “FBA#098 – Wie startet man mit Amazon FBA USA?

  • Sehr geil. Ich bin gespannt was noch aus den USA so berichten wirst.
    Ich hab mir auch schon ein paar Mal Gedanken dazu gemacht aber bisher i-wie noch davor zurückgeschreckt.
    Ist halt noch Mal ein ganz dicker Fisch.
    Viel Erfolg auf jeden Fall schon Mal von mir

  • Christoph

    Toller Artikel, denke aber nicht, dass es so einfach ist mit Steuern, Produkthaftpflicht usw.
    Klar kann man einfach starten, so wie in Deutschland auch, aber wirklich legal ist es nicht. Aber richtig ist es, dass man sich nicht vor den vielen Schauergeschichten einschüchtern lassen sollte.
    Ich habe mittlerweile den Verkaufsstart in den USA geschafft, man muss sich schon sehr stark damit beschäftigen und einfach so läuft das nicht. Rate jedem, sich vorher ausreichend zu informieren. Schaut in die zahlreichen Foren und Facebook Gruppen, nutzt die Tools wie junglescout.com, sellics.com usw.. Werde z.B zum Thema Steuern und vieles mehr durch die Experten von alton.de betreut.

    Nur wie du sagst, USA ist ein riesen Markt, den man nicht einfach links liegen lassen kann. Viel Erfolg!

  • zvgadmin

    Christoph, danke für den Kommentar. Meine Intention bei diesem Artikel war es aufzuzeigen, dass auch ein Start in der USA keine unüberwindliche Hürde darstellt. Habe aber auch absichtlich die beiden ACHTUNG Punkte unten Fett markiert. Klarerweise schützt Unwissenheit nicht vor Strafe.
    Für mich habe ich mitgenommen (wie bei jedem Projekt), wenn man vorher die Zeit investiert kann man einen weiteren Marktplatz erschließen und die Früchte ernten. Möglicherweise war mein Schritt im Verhältnis zu meinem Umsatz ein wenig voreilig, aber ich brauche immer neue Herausforderungen damit mir die Arbeit Spaß macht. Somit war der Lerneffekt FBA USA gleichzeitig Motivationsgeber.
    Dir auch viel Erfolg in der USA.
    PS.: Aktuell wird es durch die tax Gesetze langsam einfacher – meine Hoffnung ist, dass langfristig alle Bundesstaaten die sales tax durch den Marktplatzbetreiber abführen lassen.

  • Christoph

    Hallo Michael,

    Ja klar, hast ja recht. Letztendlich müssen wir in Deutschland auch mal machen und nicht immer nur planen, planen und planen und am Ende versackt das ganze.

    Der Amazon USA Marktplatz ist auf jedenfall wert, dass man hier Zeit und Geld aufwenden sollte, um zu verkaufen. Schenken tut es wie überall niemand und dort liegt auch nicht alles auf der Straße frei herum.

    Was die marketplace taxes angeht: meine info dazu ist, dass Amazon zwar die Steuern eintreibt und abführt, aber man in den meisten Staaten als Verkäufer dennoch verpflichtet ist, eine Meldung abzugeben (sei es 0-Meldung). Durch die Warenlagerung in dem Staat hat man wohl immer noch eine steuerliche Betriebsstätte (physical Nexus) bei den meisten Staaten und ist nicht durch die marketplace Abführung fein raus (oder durch economic nexus betroffen). Bin froh, dass ich mich um den Kram nicht selber kümmern muss und einen Dienstleister dafür habe.

    • zvgadmin

      Tja da sind die Amis wieder mal nicht ganz auf einer Linie. z.B. in Iowa brauchst du keine Registrierung und keine Nullmeldung machen, wenn alle sales tax durch Amazon abgeführt wird.
      Ist natürlich gut und richtig wenn man einen Berater hat der einem die Arbeit abnimmt – ABER ich habe schon oftmals schmerzlich lernen müssen, dass es Sinn macht sich auch selber in Dinge einzulesen welche eigentlich der bezahlte „Profi“ macht.
      Man muss nur ehrlich hinterfragen wie viele Unwissende man kennt, die z.B. in der selben Abteilung arbeiten oder Lieferanten für ein spezielles Produkt sind, wo der Lieferant doch Wissenlücken über sein eigenes Produkt/Dienstleistung hat.

  • Christoph

    Hallo Michael,

    Da stimme ich dir absolut zu. Ich habe mich mit dem Thema vorher ausreichend beschäftigt und informiert. Und auch richtig ist, dass die amis selbst nicht genau wissen aktuell, was denn Sache ist. Zumal man das hier sowieso nicht über einen Kamm scheren kann, da jeder Staat wohl die Dinge auch anders sieht und unterschiedlich behandelt.

    Zu Iowa, hast du dazu einen Link? Ich habe nichts gefunden was deine Aussage stützt und ich glaube du verwechselst da einiges.. mir wurde gesagt, dass die von dir genannten Aussagen oft nur die „Remote seller“ betreffen, also die z.B. FBM nutzen und selber raus schicken. Sobald man aber FBA nutzt und die Ware z.B in Iowa liegt, hat man einen physical presence und ist wie ein „in-State Händler“ gleichgestellt. Zu Iowa finde ich z.B. nur das:

    https://tax.iowa.gov/remote-sellers

    Da scheiden sich wieder mal die Geister: löst die Lagerung bei Amazon nun einen physical presence aus oder nicht? Viele seller finden nicht, die Staaten schon 🙂
    Gerade deshalb frage ich dann die Profis, ich bin dann nämlich nicht so tief in der Materie und hab auch keine Lust dazu. Das muss aber jeder selbst wissen, ich versuche mich aufs business zu konzentrieren und hab keine Lust auf steuern, Logistik und co..

  • zvgadmin

    laut iowa Seite:
    If a marketplace seller only makes retail sales in Iowa through a marketplace and the marketplace facilitator collects Iowa sales tax and applicable local option sales tax, the marketplace seller does not need to obtain an Iowa sales tax permit or file Iowa sales tax returns. Iowa sales tax will be reported and paid on a sales tax return filed by the marketplace facilitator.

    Geb dir aber Recht das irgendwie keiner richtig durchblickt (inklusive tax Behörde)

  • Christoph

    Ok danke.. aber auch hier, bezieht das jetzt auch die, die physical presence haben oder nicht? Ich kann’s nicht so ganz rauslesen und generell lese ich bei vielen Staaten keine klare Aussage heraus, was die Amazon FBA Händler angeht.

    Übrigens: ich habe keine Ahnung wie relevant Iowa ist, aber aktuell habe ich da KEINE Verkäufe 🙂 die Staaten, in die ich am meisten verkaufe, sind FL, TX, CA und NJ. Die sehen das alle nochmal ganz anders.. egal, wird bald offtopic..

    Viel Erfolg weiterhin!

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